aktivplus

Hintergrund und Ziele

Gebäude sind für rund 35 Prozent 1 des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland verantwortlich und die Steigerung ihrer Energieeffizienz ist für das Erreichen der Klimaziele von Bundesregierung und EU von großer Bedeutung. Mindestens ebenso wichtig wie die Energieeffizienz sind die Menschen, für die geplant wird. In einem Gebäude sollen sich die Nutzer in erster Linie wohlfühlen, denn schließlich verbringen wir heutzutage fast 90 Prozent unserer Zeit innerhalb von Gebäuden – zum Wohnen, Arbeiten oder Spielen.

Um das zu erreichen, muss noch mehr auf die Bedürfnisse von Nutzern und Bewohnern eingegangen werden. Aus der Sicht des aktivplus e.V. zeichnet sich ein zukunftsfähiges Gebäude deshalb durch die Verbindung von Wohnqualität und Behaglichkeit, Energieeffizienz und nicht zuletzt auch Umweltfreundlichkeit aus.

Die technischen Möglichkeiten, Gebäude als Energieerzeuger zu planen und zu entwickeln haben sich deutlich zugunsten einer wirtschaftlichen Umsetzung verbessert. Dadurch steht heute nicht mehr der bauliche Wärmeschutz isoliert im Mittelpunkt, sondern die kreative und gestalterisch ansprechende Umsetzung und Integration erneuerbarer Energien. Der ganzheitliche Ansatz eines aktivplus-Gebäudes berücksichtigt nicht nur dessen Energieverbrauch, sondern vor allem auch die Nutzeranforderungen.

Nutzer: Behaglichkeit und Wohnkomfort

Neben einer bedienerfreundlichen, technischen Ausstattung sind das Raumklima und die Tageslichtsituation grundlegend für das Wohlbefinden. Wichtiges Merkmal eines aktivplus-Gebäudes sind deshalb Lösungen mit einer großzügigen Versorgung durch natürliche Belichtung. Dies hat nicht nur positiven Einfluss auf den Biorythmus des Menschen, sondern erspart gleichzeitig den Einsatz von Kunstlicht und erhöht den Gewinn solarer Wärme. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen opaken und transparenten Bauteilen, Fenster zum Öffnen ein guter sommerlicher Wärmeschutz und Tageslichtqualität.

Ebenfalls entscheidend für das Wohlbefinden ist die Luftqualität. Die Versorgung mit frischer Luft kann manuell durch den Nutzer oder mechanisch erfolgen. Gerade die luftdichten Hüllen von Neubauten und energetisch modernisierten Gebäuden macht einen ausreichenden Luftwechsel erforderlich, um gesundes Wohnen zu ermöglichen  und Bauschäden zu vermeiden.

Energie: Das Haus als Kraftwerk

Ein aktivplus-Gebäude erzeugt durch die Nutzung erneuerbarer Energien Wärme und Strom. Ziel ist es, den Energiebedarf für den Gebäudebetrieb und die Nutzerausstattung zu decken, und soweit möglich sogar Überschüsse zu erzeugen. Sonne, Erde, Grundwasser und Außenluft dienen dabei als regenerative Energiequellen – wobei die Kraft der Sonne das größte Potenzial bietet, um einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und den CO2-Ausstoß zu minimieren. Die Hausoberflächen sind dabei die idealen Flächen zur Nutzung der Sonnenenergie, z.B. durch Photovoltaikelemente.

Vernetzung: Gebäude und Quartiere im Smart Grid

Im Mittelpunkt der aktivplus Zieldefinitionen steht neben dem Nutzer das Ziel, eine zukunftsfähige Planungs- und Bauqualität zu entwickeln, die den Ansprüchen an zeitgemäße, energieeffiziente wie komfortable Gebäude und Quartiere gerecht wird.

Entsteht z. B. in Verbindung mit mehreren aktivplus-Gebäuden im Quartier ein Smart Grid, lassen sich Synergien bei der solaren Deckung und der Nutzung der erneuerbar erzeugten Energie vor Ort erreichen. Durch die intelligente Vernetzung mit Bestandsgebäuden können regenerative Überschüsse dazu beitragen, die Energiewende im Gesamtkontext der Stadt zu gestalten.

Das aktivplus-Gebäude

Den gesamten Lebenszyklus im Blick

Energieverbrauch und Umweltwirkung stehen häufig nur bezogen auf den Nutzungszeitraum im Fokus des Gebäudebetriebs. Ein hoher Ressourcenverbrauch entsteht aber bereits beim Bau und später bei der Entsorgung. Deshalb sollten alle Lebensabschnitte des Gebäudes – vom Bau über den Betrieb bis zur Demontage – im Rahmen einer Ökobilanz betrachtet werden. Im aktivplus-Gebäude werden vor allem nachwachsende Rohstoffe und recycelte oder recyclingfähige Materialien verwendet. Bereits in der Planungsphase wird die Rückführung der Komponenten in natürliche und technische Stoffkreisläufe berücksichtigt und in die Energierechnung einbezogen.

Fazit

Die Klimaziele der Bundesregierung, verbunden mit den stetig steigenden Anforderungen an die Energieeffizienz, den Komfort und die Gebäudestandards stellen Architektur, Bauwirtschaft und Politik vor große Herausforderungen. aktivplus-Gebäude berücksichtigen – als logische Weiterentwicklung bisheriger Lösungsansätze – nicht nur den Energieverbrauch eines Gebäudes, sondern stellen vor allem den Nutzer, seine Bedürfnisse und Anforderungen in ein neues Verhältnis zu seiner Umgebung. Das aktivplus-Prinzip bietet hierfür einfach umsetzbare Methoden mit wenig zusätzlichem Planungsaufwand und überschaubaren Investitionskosten, die dennoch einfache technische Lösungen zulassen.

1 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi): Sanierungsbedarf im Gebäudebestand – Ein Beitrag zur Energieeffizienzstrategie Gebäude, Berlin 2014